Folgende Text aus der Zeitung:

Alfred Fasshauer wird seine AlFa Reinigung und Wäscherei mit Heißmangel in Duderstadt zum 1. November schließen. Wenn kein Nachfolger mehr gefunden wird, verschwindet somit ein weiteres Traditionsgeschäft aus der Region. „Wir haben uns die Entscheidung sehr, sehr schwer gemacht“, sagt Fasshauer, der die Textilreinigung an der Straße Wolfsgärten (neben den Toom Baumarkt) in zweiter Generation führt. Doch die Umsatzeinbrüche durch die Corona-Pandemie ließen keinen Spielraum mehr.

 

Fasshauers Vater gründete den Betrieb im Jahr 1965 an der Wildunger Straße, später zog das Geschäft an den Schützenring, 1993 wurde komplett neu gebaut am jetzigen Grundstück. Der heute 54-jährige Fasshauer hatte die Reinigung da bereits übernommen. Und das Geschäft lief jahrzehntelang gut, zudem wurde immer viel Geld in die Maschinen investiert. In der Spitze beschäftigten Fasshauer und seine Frau zehn Angestellte, mittlerweile sind es nur noch drei. Auch das ist eine Folge der Corona-Pandemie, erläutert der Inhaber.

 

Nach dem guten Geschäftsjahr 2019 habe die Pandemie seit März 2020 für einen Umsatzrückgang von bis zu 80 Prozent gesorgt. Fasshauer erklärt: „Wir gehören zu den systemrelevanten Betrieben und durften öffnen, hatten aber keine Kunden.“ Denn der Kundenstamm der Textilreinigung und Wäscherei mit Heißmangel bestehe zu 80 Prozent aus Privatpersonen, „und die sind weggebrochen“, schließlich waren monatelang Geburtstagsfeiern, Bälle, Abschlussfeiern und weitere Veranstaltungen verboten. Auch die Arbeit im Home-Office habe ihren Teil dazu beigetragen und das gesamte Geschäft für Berufsbekleidung „weggerissen“. Zudem viel für fast 5 Monate die gesamte Gastronomie und Hotelwäsche weg.  „Das alles hat uns das Genick gebrochen“, sagt Fasshauer. „Den Begriff ’systemrelevant’ habe ich im Vorjahr gehasst“, fügt er hinzu. Zunächst versuchte er, das Geschäft an drei Tagen pro Woche offen zu halten, mittlerweile sind es nur noch zwei. In der Wäscherei sogar nur noch einen Tag. Fördermittel vom Staat habe er keine bekommen, die Maschinen gehören ihm, sagt er. „Wir fallen da genau durchs Raster.“

 

„Wir haben Kurzarbeitergeld bekommen, das hat ganz gut funktioniert“, sagt er mit Blick auf seine Mitarbeiter. Im März dieses Jahres habe man die Entscheidung gefällt, den Betrieb zum Winter zu schließen. „Das war für uns hart.“ Da der Betrieb aufgegeben werde, habe man den Angestellten frühzeitig kündigen müssen, um die Fristen einzuhalten. Aber: „Einige, die bei uns gegangen sind, haben schon einen neuen Job. Das freut uns sehr“, sagt Fasshauer. Die, die noch da sind, sind seit fast 30 Jahren dabei. „Die haben die Hälfte ihres Lebens mit uns verbracht, das hätten wir uns auch anders vorgestellt, aber es geht einfach nicht mehr.“ Denn auch die Maschinen leiden durch Nichtbenutzung: Die Heißdampfleitungen werden so selten genutzt, dass Kondensation entsteht, das Wasser frisst die Maschinen und Rohre kaputt.

 

Ein weiterer Grund für die Schließung sind die Fixkosten, wie Energie und Berufsgenossenschaft, sagt Fasshauer. „Kaufmännisch ein absoluter Graus.“ Zudem sei es mittlerweile billiger, Kleidung, die in Fernost hergestellt wird, neu zu kaufen, als sie fachmännisch reinigen zu lassen. „Neu kaufen ist günstiger“, seufzt Fasshauer. Bei Kleidung sei man mittlerweile zu einer Wegwerfgesellschaft geworden. Die Konkurrenz sei nicht die Haushaltswaschmaschine, „die Konkurrenz sitzt in China und Bangladesch“. Corona habe die Entwicklung, die auch vorher schon begonnen hatte, extrem beschleunigt. „Wir hätten gern noch 15 Jahre weitergemacht, aber es geht nicht mehr.“

 

„Wir haben uns die Entscheidung sehr schwer gemacht. Die Wäscherei und Heißmangel ist unser Kind“, sagt Fasshauer erneut. Wenn sich jemand finden würde, um den Betrieb weiterzuführen, „würde ich mich freuen“, betont er. Aber: „Man muss auch eine handwerkliche Hand haben, sonst kann man solch einen Betrieb nicht wirtschaftlich führen. Man muss auch mal eine Zange in die Hand nehmen können.“

 

Nun machen Fasshauer und seine verbliebenen Angestellten erst einmal Betriebsferien – zum zweiten Mal seit Bestehen, sagt er. Vom 16. Juli bis 10. August bleibe die Reinigung deshalb geschlossen, danach sei man in vollem Umfang  Mittwochs und Donnerstags von 9:00-13:00 und 14:00-18:00 Uhr wieder da – zumindest bis Ende Oktober.